Bei Demenz: Snoezelen weckt schöne ErinnerungenSensorische Anregung und Entspannung macht Demenzkranke glücklich16.12.2009 Marion Seigel
Snoezelen arbeitet u.a. mit Lichteffekten - Christina Bösenberg
Der Umgang mit Menschen, die durch eine Demenz ihre Fähigkeiten verlieren, sich auszudrücken, ist für Altenpfleger und Angehörige nicht leicht – auch deshalb, weil es manchmal so schwer ist, eine entspannte Atmosphäre zu schaffen oder eine schöne Erinnerung wachzurufen. Deshalb ist das Ziel jeder Methode in der Demenzbetreuung, einen Zugang zu den kranken Menschen zu finden und Konzepte zu entwickeln, mit denen man ihre Bedürfnisse erkennen und befriedigen kann. Um das zu erreichen, haben sich viele auf den Weg gemacht: Altenpfleger und Pflegewissenschaftler, Profis und betroffene Angehörige. Demenzkranke „erreicht“ man ganz unterschiedlichDie Ansätze und Methoden sind deshalb auch so vielfältig - manche davon bewährt, andere noch unerprobt, manche wissenschaftlich nicht anerkannt und wieder andere schon weiterentwickelte Spezialformen. Dazu gehören u.a. Basale Stimulation, Bobath-Konzept, aktivierende Pflege, Psychomotorik im Seniorenbereich (Motogeragogik), Sensorische Aktivierung, Montessori für Senioren, Demenz-Clowns, Validation. Die Aufzählung lässt sich noch ergänzen durch das "Snoezelen" (spricht man wie snuselen). Es wurde in den 1980er Jahren in den Niederlanden von Beschäftigungstherapeut Ad Verheul und Musiktherapeut Jan Hulsegge entwickelt als Beschäftigungsangebot für schwer mehrfach behinderte Menschen. Sie installierten dafür in einem überwiegend weiß gehaltenen Raum Geräte und Elemente, die verschiedenste Sinnesempfindungen auslösen:
Snoezelen hat auf Demenzkranke nachweisbar positive EinflüsseEine Studie der Universität Utrecht, die 2004 in sechs Altenpflegeheimen durchgeführt wurde hat die Wirkung des Snoezelen auf Stimmung und Verhalten der demenzkranken Bewohner untersucht. Dabei wurde nach 18 Monaten nicht nur festgestellt, dass die Bewohner mit Snoezelen-Behandlung weniger apathisch und aggressiv, sondern vielmehr positiver gestimmt waren und mehr Freude zeigten. Sie zogen sich weniger zurück und sprachen öfter in vollständigen Sätzen. Zusätzlich wurde ein weiterer Effekt beobachtet: Die Arbeitszufriedenheit der Mitarbeiter stieg und die Interaktion und Kommunikation zwischen Pflegepersonal und Bewohner verbesserte sich - das Snoezelen führte nach und nach zu einer bewohnerzentrierten Pflege. Und damit ist auch schon eine wichtige Voraussetzung für den Erfolg des Konzepts im Bereich der Demenzbetreuung genannt: Pflegende müssen den betroffenen Demenzkranken und seinen Biografie gut kennen, um einschätzen zu können, was ihm oder ihr gut tut oder welche Angebote möglicherweise Ängste oder Aggressionen auslösen. Auch müssen die Elemente so eingesetzt werden, dass nicht durch Reizüberflutung negative Gefühle entstehen. Deshalb ist es gar nicht notwendig, für Demenzkranke einen ganzen Raum zum Snoezelen einzurichten. Oft ist eine mobile Station, ein Wagen, ausgerüstet mit einer Auswahl bewährter Elemente viel praktikabler. Auf diese Weise erreicht man auch bettlägerige Bewohner. Das Ziel ist immer, eine Atmosphäre zu erzeugen, in der man sich geborgen und sicher fühlt, angstfrei und entspannt sein kann – und das kann überall gelingen. Praktische Umsetzung des Snoezelen im PflegealltagUnter den verschiedenen Elementen, mit denen die Sinne "geweckt" werden können, findet man immer eines, das für den betroffenen Kranken wie eine Art Türöffner funktioniert: Ein bestimmter Geruch oder eine Melodie: Sinneseindrücke, die eine positive Erinnerung wecken, entspannen, lenken ab oder regen an. Sie können aber auch unerwartete Reaktionen auslösen, deren Ursache in einem Trauma aus der Kindheit oder Jugend begründet liegt. Vor allem Menschen, die der Kriegsgeneration angehören, können mit ganz typischen Snoezelen-Angeboten überfordert sein:
Um hier die richtige Balance zu finden, ist neben Einfühlungsvermögen auch Beobachtungsgabe gefragt - und eine Ausbildung im Snoezelen nötig. Snoezelen ist übrigens eine Wortschöpfung, entstanden aus snuffelen (was soviel bedeutet wie schnüffeln oder schnuppern) und doezelen (bedeutet dösen oder schlummern). Urheberrecht: Marion Seigel. Verwendung des Textes nur mit schriftlicher Genehmigung des Autors.
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