Lesetipp: Netzwerk der Generationen

Ein Buch darüber, wie soziale Netzwerke für Jung und Alt entstehen

24.02.2010 Marion Seigel

Um die vielfältigen Probleme einer Gesellschaft zu lösen, ist soziale Fantasie gefragt. Eine neue Kultur bürgerschaftlicher Kooperation belegt nun den beginnenden Wandel.

Immer weniger Nachwuchs führt unweigerlich zu immer kleineren Verwandtschaften - deshalb entwickelt sich in unserem Land eine nahezu onkel- und tantenlose Gesellschaft, mit entfernt wohnenden Großeltern, möglicherweise getrennt lebenden Eltern. Verwandtschaftliche Netzwerke schrumpfen auf diese Weise oder werden insgesamt immer rarer. Auch die heute selbstverständliche berufliche Mobilität sorgt dafür, dass familiäre Unterstützung immer schwieriger und über größere Distanzen hinweg ganz unmöglich wird.

Neue gesellschaftliche Konzepte sind also gefragt, wenn es um Entlastung des Einzelnen geht - ob nun in der Kinderbetreuung, in der Altenpflege, im privaten Umfeld oder bei Beruf und Bildung. Netzwerke müssen entstehen und sich entwickeln, wenn Jüngere von den Erfahrungen und dem Wissen der Älteren profitieren - und umgekehrt natürlich auch - und Senioren möglichst lange aktiv und fit bleiben sollen und wollen.

Auf 170 Seiten stellt die Autorin Ruth Eder in ihrem Buch “Netzwerk der Generationen” eine Auswahl unterschiedlichster Projekte vor, die entweder privat über gemeinsame Interessen oder “aus der Not heraus” entstanden sind, kommunal initiiert oder gefördert wurden und werden. Ihrer Einführung folgt ein Beitrag von Ursula von der Leyen zum Thema Mehrgenerationenhäuser - ein besonderes Anliegen der ehemaligen Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

Gemeinsam statt einsam

Anschließend beschreibt sie im folgenden Kapitel kurzweilig und jeweils kompakt zusammengefasst ganz unterschiedliche Netzwerke wie beispielsweise

  • Senioren-Trainer für die Jugend helfen Schulangängern, Berufseinsteigern und Existenzgründern
  • Gemeinsam lernen, diskutieren, forschen im Hochschulbereich oder in der Frauenakademie
  • Wohnprojekte, in denen sich alle gegenseitig helfen, viele gemeinsam gestalten
  • Mehrgenerationenhäuser, die Gelegenheiten bieten zur Begegnung zwischen Alt und Jung, zu Generationen übergreifenden Freiwilligendiensten
  • nachbarschaftliche Hilfenetzwerke: Mittagstisch für die Kinder von berufstätigen Müttern und für Senioren, Einkaufsdienste, Theaterprojekte, Tauschringe, Hilfe als Zeitkonten, Wohnraum für Hilfe (Studenten wohnen bei Senioren) usw.
  • Fit im Beruf - keine Frage des Alters: Wissenssynergien Jung und Alt, Age-Management
  • Netzwerke im schulischen Bereich: Schüler im Altenheim, Praktika in Senioreneinrichtungen, Schüler coachen Senioren (zum Beispiel am PC), Lesepaten für Grundschüler, Deutsch-Training für Migrantenkinder
  • Zeitzeugen machen Kindern Geschichte erlebbar

In einem weiteren Kapitel spannt die freie Journalistin und Autorin Eder einen großen Bogen: Netzwerke im nationalen und internationalen Rahmen, von Netzwerkvordenkern, den 68ern und der Förderung bürgerschaftlichen Engagements in Netzwerken durch die Politik.

Das letzte Kapitel widmet sich schließlich ganz den Aktiven, den Netzwerkern: Aus ihren Kommentaren lässt sich denn auch das Fazit des Buchs formulieren: Gemeinschaft macht stark, sich zusammenfinden und voneinander lernen, das schafft Beziehungen, die prägen, bereichert alle Beteiligten, macht sie glücklich und zufrieden - jeden auf seine Art.

„Netzwerk der Generationen - Gemeinsam statt einsam“, Ruth Eder, Herder Verlag, Freiburg 2006, ISBN: 978-3-451-05732-8, Preis: 9,90 Euro

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