Pflegetagebuch richtig führenWichtige Tipps und Informationen für Pflegelaien
Hilfreiche Grundlage für die Pflegeeinstufung ist ein Pflegetagebuch. Doch Fehler beim Eintrag der Pflegemaßnahmen führen auch zur Ablehnung des Leistungsantrags.
Ein Mensch, der sich nicht mehr selbst versorgen kann, ist pflegebedürftig und braucht Hilfe. Die Gesetzgebung hat im 11. Sozialgesetzbuch (SGB XI) alle Kriterien festgelegt, die Pflegebedürftigkeit ausmachen und so auch die Zuordnung zu einer der drei Pflegestufen ermöglichen. Um eine solche Einstufung zu erhalten, müssen Pflegebedürftige - allein oder mit Unterstützung von Angehörigen oder Pflegeberatern - zunächst einen Leistungsantrag bei den Pflegekassen stellen. Ein Gutachter des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherungen (MDK) prüft während eines zuvor angemeldeten Besuchs dann den Umfang der Pflegebedürftigkeit vor Ort – im Gesundheitswesen-Deutsch heißt es „in der eigenen Häuslichkeit“. Vor der MDK-Prüfung Pflegetagebuch führenWeil dieser Besuch nur eine Momentaufnahme sein kann, raten die Krankenkassen den pflegenden Angehörigen dazu, im Vorfeld eines Gutachterbesuchs mindestens eine Woche lang ein so genanntes Pflegetagebuch zu führen. Darin sollen alle Pflegeleistungen und Hilfestellungen aufgeführt werden, die sie tagsüber und auch nachts erbringen. Beim Auflisten passieren aber häufig Fehler, die dazu führen, dass der Gutachter eine Einstufung oder eine Höherstufung ablehnt. Wie es zu solchen Fehlern kommt ist einfach erklärt, denn
Katalogleistungen und ZeitkorridoreEin Gutachter geht bei der MDK-Prüfung mit einer Art Checkliste vor: Darin sind die Pflegeleistungen wie in einem Katalog aufgeführt – man spricht deshalb auch von den „Katalogleistungen“. Sie werden in Minuten erfasst und für sie sind auch so genannte Zeitkorridore festgelegt. Die Dauer der täglichen Pflegezeit bestimmt die Zuordnung zu einer Pflegestufe. Nach diesem Prinzip sollte also auch ein Pflegetagebuch aufgebaut sein. Krankenkassen und Verbraucherzentralen bieten sie als Vordrucke im Internet an. Die Grundpflege (Körperpflege, Ernährung, Mobilität) teilt sich in 13 „häufigste Verrichtungen“ auf, für die Zeitkorridore entwickelt wurden: In der jeweils genannten Zeit sollen Laienpflegekräfte in der Lage sein, die pflegerischen Handlung (vollständige Übernahme) durchzuführen. Die Dauer der täglichen Pflegezeit bestimmt anschließend die Zuordnung zu Pflegestufe I (90 Minuten am Tag, davon 45 Minuten für Grundpflege), Pflegestufe 2 (180 Minuten am Tag, davon 120 Minuten für Grundpflege) oder Pflegestufe III ( 300 Minuten am Tag, davon 240 Minuten Grundpflege). Die wichtigsten Zeitbeispiele für die komplette Übernahme einer Tätigkeit:
Formen der HilfeleistungDer Gesetzgeber unterscheidet außerdem sehr fein die Formen der geleisteten Hilfen in diesen Bereichen. Es gibt die
Erschwernisse bei der PflegeDamit für den Gutachter des MDK nachvollziehbar wird, warum und in welcher Form der Pflegebedürftige Hilfe braucht, sollten seine körperlichen oder geistigen Einschränkungen genannt werden. Das können sein z.B. Gelenkversteifungen, Lähmungen, Fehlstellungen, unkontrollierte Bewegungen oder eingeschränkte Beweglichkeit, ein Körpergewicht über 80 Kilogramm, eingeschränkte Belastbarkeit (Luftnot, Herzschwäche, Wassereinlagerung), Schluck- und Atemstörungen, stark eingeschränkte Sinneswahrnehmung, starke therapieresistente Schmerzen sowie Abwehrverhalten und fehlende Kooperation bei geistigen oder psychischen Behinderungen. Aber auch pflege behindernde räumliche Verhältnisse oder einen zeitaufwendigen Hilfsmitteleinsatz (Lifter) sollte man anführen. Tipps für den Eintrag ins PflegetagebuchDarauf sollten Pflegelaien beim Führen eines Pflegetagebuchs achten:
Es hilft übrigens sehr, wenn man Pflegetagebuch-Vordrucke einfach als formale Unterstützung akzeptiert, denn eigentlich wird diese Art der "Dokumentation von Pflege" in keiner Weise dem gerecht, was ein pflegender Angehöriger an Zeit, Zuwendung, Geduld und Hingabe aufwendet. Und ebenso fühlt sich ein Pflegebedürftiger nur unzureichend wahrgenommen, sondern möglicherweise bloßgestellt und reduziert auf Grundbedürfnisse. Es gilt also: Tief durchatmen und tapfer eintragen - und sich außerdem gründlich über die häufigsten Fehler bei der MDK-Prüfung informieren.
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