Rollator und Gehhilfe: Infos und Tipps für Auswahl und Kauf01.06.2010 Marion Seigel
Rollator mit Designpreis - Pressefoto Bechle mobility
Früher markierte der Stock den Beginn von Altersgebrechlichkeit und leitete den allmählichen Rückzug aus dem öffentlichen Leben ein. Heute sorgen Rollatoren dafür, dass ältere Menschen lange aktiv am Leben teilnehmen können - trotz ausgeprägter Beeinträchtigungen und Unsicherheiten beim Gehen und Stehen. Vor 20 Jahren wurden die ersten Modelle aus Schweden noch belächelt, heute werden die Gehhilfen auf Rädern in der Öffentlichkeit ebenso selbstverständlich wahrgenommen wie Kinderwagen. Und mit dem Anstieg der Verkaufszahlen – jährlich im zweistelligen Bereich – nimmt auch die Modellvielfalt zu. Rollatoren für jede LebenslageMittlerweile gibt es Rollatoren für nahezu jede Lebenssituation
Zum Ausstattungsstandard bei Rollatoren gehören der stabile Alurahmen, vier Vollgummiräder, zwei ergonomisch geformte Handgriffe, beidseitig Handbremsen und Feststellbremsen, bei faltbaren Ausführungen eine Faltsperre. Erster Designpreis für einen RollatorWie immer, wenn Produkte den Weg in unseren Alltag finden, wird erst einmal getestet: Der Sieger im seit 2005 einzigen Rollatortest der Stiftung Warentest - Modell "Troja" von Tropo - ist bis heute ein Verkaufsrenner. Und es wird natürlich längst auch Rollator-Feintuning betrieben und an Optik und Funktion gefeilt. Kein Wunder also, dass 2009 der erste Rollator mit einem Designpreis ausgezeichnet wurde: Vom Design Center Stuttgart erhielt im Rahmen des Wettbewerbs Focus Open in der Kategorie „Medizin, Rehabilitation, Geriatrie“ der Rollator Modell „Brado“ von Bechle-mobility/Dietz den „Focus in Silber“. Gehhilfe in der Kunst: Pimp my RollatorSelbst Künstler inspiriert das Alltagsgerät des Alters. So machte sich die 54-jährige Ärztin und Installationskünstlerin Edith Micansky ihre ganz eigenen Gedanken zum Thema Rollator: Sie arbeitet gegen den Verlust der Individualität im Alter, wünscht sich, dass jeder seine Persönlichkeit bewusst zeigt. Micanskys Entwürfe für Reiselustige, Tiger-Lillys, Süchtige, Fußballfans und Burkaträgerinnen sind stilbildend. Ihre Visionen mit Schirm oder Navigationsgerät sind tatsächlich bereits in der Realität angekommen. Rollatoren auf RezeptRollatoren sind aber in erster Linie Hilfsmittel, die eine Behinderung ausgleichen oder den Erfolg einer Krankheitsbehandlung sichern (§ 33 im 5. Sozialgesetzbuch, SGB V). Sie können deshalb vom Arzt verordnet werden (Rezept). Dann bezahlen die Krankenkassen – bis auf eine Zuzahlung von 10 Euro – über eine regional unterschiedliche Fallpauschale aber nur solche Rollatoren und Gehhilfen, die im Hilfsmittelverzeichnis aufgeführt sind. Dabei handelt es sich um einfache Modelle, die medizinische Vorgaben erfüllen sollen, auf Bedienkomfort oder Optik kommt es nicht an. Tipp: Die Kassen halten für bestimmte Krankheitsbilder (motorische Fehlfunktionen, Arthritis, Adipositas usw.) Sondermodelle bereit, die sich leichter handhaben lassen. Wer mit der Bedienung seines Rollators nicht zurechtkommt, sollte mit Arzt und Kasse die Wahl eines praktikableren Geräts abklären. Nach Vorlage der ärztlichen Verordnung bei einem Sanitätshaus erhält man aus einem Pool neuer und gebrauchter Rollatoren leihweise ein Gerät. Dabei hat man kaum Einfluss auf die Wahl. Tipp: Die jeweiligen Kassenmodelle mehrerer Sanitätshäuser vergleichen und testen: Lässt sich der Rollator
Wer höhere Ansprüche hat und ein teureres Modell bevorzugt - leichter, einfacher zu bedienen –, muss selbst zahlen, was über die Kassenleistung hinausgeht. Jede Kasse regelt dies individuell, also besser nachfragen. Sicher manövrieren mit dem RollatorDie häufigste Ursache dafür, dass Rollatoren unberührt in der Ecke dauerparken: Ihre Besitzer können sie nicht bedienen – entweder aus Verständnisgründen oder weil sie körperlich nicht dazu in der Lage sind. Oft reicht die Kraft nicht aus für die Scher-Mechanik der faltbaren Rollatoren. Oder es fehlen ausreichend Anleitung und Übung. Wie meistert man nun den alltäglichen Hindernisparcour aus Schwellen, Absätzen und Stufen? Es ist alles eine Frage der Technik, hat also nichts mit dem Körpergewicht oder der jeweiligen Konstitution zu tun. Auch eine 80-jährige zarte Frau überwindet problemlos Schwellen, indem sie schräg an das vermeintliche Hindernis heranfährt statt frontal darauf zuzuhalten. Auf diese Weise rollt ein Rad nach dem anderen über den Grat. Mit ein bisschen Übung schafft man so auch beladene Rollatoren über Schwellen. Höheren Bordsteinkanten meidet man im Idealfall, indem man Fußgängerüberwege nutzt oder nach abgeflachte Stellen Ausschau hält. Will man die 5 bis 10 Zentimeter hohen Stufen aber überwinden, geht man so vor: Direkt vor der Kante halten, Bremsen anziehen, Rollator leicht über die Hinterräder zu sich hin kippen lassen, bis die Vorderräder etwas über Kantenhöhe liegen. Bremsen loslassen und gleichzeitig die Hinterräder an die Kante fahren. Leichtes Anheben in der weiteren Vorwärtsbewegung bugsiert den Rollator dann vollständig auf die nächste Ebene. Übungen in Geschicklichkeit und Balance lassen den Bewegungsablauf flüssiger, sicherer und kraftsparender werden. Von einer Herangehensweise im Rückwärtsgang wird übrigens in den Gebrauchsanleitungen für Rollatoren stets abgeraten. Urheberrecht: Marion Seigel. Verwendung des Textes nur mit schriftlicher Genehmigung des Autors.
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