Spiele und Spielzeug für DemenzkrankeBeschäftigungsideen und Aktivierungstipps für Pflegende
Angeregt werden, sich erinnern, Spaß haben, entspannen - so finden Angehörige und Pflegeprofis geeignete Beschäftigungen für altersverwirrte, demenzkranke Senioren.
Geist und Körper täglich zu aktivieren, das fördert das Wohlbefinden, macht ausgeglichen, glücklich und ist ein gutes Rezept für jeden Menschen. Für gesunde Menschen gilt das ebenso wie für Demenzkranke. Aber wie können sie angesichts ihrer eingeschränkten Fähigkeiten angeregt und angemessen beschäftigt werden? Weil demenzkranke Menschen nicht mehr in der Lage sind, Neues zu erlernen, Gelerntes aber noch erinnern, anwenden und tun können, müssen pflegende Angehörige und Altenpfleger Spiele und Beschäftigungen anbieten, die
Kein Spiel, keine Beschäftigung muss alle aufgeführten Funktionen gleichzeitig erfüllen, um trotzdem „gut anzukommen“. Aber alles, was für einen Moment eine glückliche Erinnerung weckt oder das Erfolgserlebnis bringt, etwas gewusst zu haben, ist ein gutes Mittel gegen traurige Stimmung, Angst oder innere Unruhe. Wie man dies erreicht, ist letztlich ganz egal, hier sind vor allem viel Fantasie und Einfühlungsvermögen gefragt. Denn es gibt nicht „das Demenzspiel“ mit dem alle Betroffenen in den verschiedenen Stadien der fortschreitenden Krankheit gleichermaßen viel anfangen können. Folgende Ideen und Tipps umfassen Bewährtes, können aber auch dazu anregen zu experimentieren und vielleicht eigene Spiele und passendes Spielzeug zu „erfinden“. Alltagsgegenstände als Erinnerungshilfe und BeschäftigungIn Erinnerungskisten lassen sich Gegenstände aus der persönlichen Vergangenheit des Demenzkranken zusammenstellen. Themenkisten versammeln typische Gegenstände beispielsweise aus Büro, Küche oder Werkzeugkeller. Vielleicht auch alles, was zu Weihnachten, Ostern oder zum Herbst gehört. In Sortierkisten lässt sich lange wühlen und vieles wiederentdecken, betrachten, vielleicht sogar bestimmten Eigenschaften zuordnen (Farbe, Größe, Form). Dafür eignen sich Steine, Knöpfe, Nüsse in ihren Schalen, Kastanien, Eicheln oder bunte, große Holzperlen und Bauklötze Basteln bedeutet etwas schaffen – befriedigt seinNicht preisverdächtige Einzelstücke sind das Ziel, sondern die bei der Tätigkeit entstehenden Gespräche und Gedanken. Und wenn sich mit den geschnittenen, geklebten, gefalzten, gefalteten oder gekneteten Ergebnissen noch der Raum schmücken lässt – prima. Thematisch lassen sich Bastelarbeiten anpassen an die Jahreszeiten oder Feste, was Demenzkranken auch eine bessere zeitliche Orientierung ermöglicht. Aktivierungskarten regen zur Beschäftigung mit Themen anPflegeprofis arbeiten häufig mit Karten, die Bildmotive oder Wortfamilien unter bestimmten thematischen Gesichtspunkten zusammenfassen. Wer Anregungen für Aktivierungen sucht, kann die Karten auch bestellen. Stichwortsammlungen helfen, Gespräche in Gang zu bringenNicht immer ist man in der Stimmung und Lage, das richtige Thema oder die passenden Schlüsselworte zu finden, um ein Gespräch zu entwickeln. Dann helfen Stichwortkarten, die man sich nach und nach anlegen kann: entweder ganz allgemein für begrenzte Themenfelder oder biografisch geprägte – also auf wichtige Erlebnisse und Lebensabschnitte bezogene. Memospiele trainieren vorhandene FähigkeitenDas Prinzip Memory – identische Bildpaare müssen erkannt und gefunden werden – lässt sich variieren und im Schwierigkeitsgrad ganz an die noch vorhandenen Fähigkeiten anpassen. Entweder beschränkt man sich auf wenige Motive oder wählt einfachste Symbolik (Ente, Haus, Dreieck, Kreis, Farbe) oder bastelt eigene Bildpaare mit Lieblingsmotiven aus dem Leben des Demenzkranken. Ein Bilderlotto – einzelne Bildausschnitte werden zusammengefügt und lassen schon bald ein Motiv erkennen/erraten – kann gekauft oder selber gemacht werden: Es eignen Tiere, Pflanzen, Fahrzeuge, Personen, Wahrzeichen oder persönlich bedeutende Bildinhalte (auch eine hübsche Geschenkidee). Gemeinsames Singen und Musizieren löst Ängste und SpannungenOft fangen Demenzkranke, die bereits verstummt sind, ihre Sprache scheinbar schon verloren haben, an zu singen, wenn sie alte Volkslieder aus ihrer Kindheit und Jugend hören. Dabei lässt sich beobachten, dass sich ihre Gesichtszüge und Körperhaltung entspannen, die innere Unruhe langsam weicht. Gedichte aufsagen, Sprichwörter erkennen, das schafft kleine ErfolgserlebnisseEin unvollständiges Sprichwort, einen Satz, ein Wort, einen Liedtext ergänzen - was da plötzlich aus manchem stimmgewaltig herausbricht oder vorsichtig leise und zögernd, ist oft verblüffend und erstaunt nicht selten die Betroffenen selbst. Rate – und Blödelspiele bringen einfach SpaßWer selbst ab und zu entspannt sein kann und gerne mal herumalbert, der reißt auch andere mit. Buchstabenverwechslungsspiele, „Ich sehe was, was Du nicht siehst“ oder „Ich packe meinen Koffer“ können eine ganz ausgelassene Stimmung zaubern. Fühlen, riechen, schmecken – mit den Sinnen Erinnerungen weckenSeien es Küchenkräuter, Speisen und Gewürze – Gerichte und Gerüche verankern sich besonders fest in unserem Gedächtnis und lösen Erinnerungen aus. Ratespiele, bei denen der Tastsinn gefragt ist, eignen sich ebenso dazu: Stoffe, Oberflächen, Formen aus dem Alltag eignen sich für die Spurensuche. Brett- und Kartenspiele erzeugen ZusammengehörigkeitsgefühlEs gibt bewährte Brettspiele wie „Mensch-ärgere-dich-nicht“ im Fachhandel für Seniorenprodukte in speziellen Ausführungen mit großformatigen Spielplänen und handlichen Figuren und Würfeln. Auch Spielkarten (besonders beliebt sind übrigens Mau-Mau oder Uno) gibt es in groß und mit klar erkennbaren Motiven. Solche Spiele begleiten die Menschen oft ein Leben lang: in ihrer eigenen Kindheit, der ihrer Kinder und Enkel. Deshalb sind auch noch für Demenzkranke oft noch lange spielbar. Puppen und Teddybären wirken beruhigend und entspannendHalten Demenzkranke Puppen und Kuscheltiere im Arm, dann ziehen sich weniger in ihre Welt zurück, sind insgesamt entspannter, kommunikativer - der Umgang mit ihnen wird leichter.
Der Artikel Spiele und Spielzeug für Demenzkranke in Generation 50 plus unterliegt dem Urheberrecht. Jegliche Verwendung dieses Textes, auch auszugsweise, erfordert die vorherige schriftliche Erlaubnis des Autors. Autor des Artikels Spiele und Spielzeug für Demenzkranke ist Marion Seigel.
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