Treppenlift: Infos und Tipps für Kauf, Kostenerstattung, Miete

15.06.2010 Marion Seigel

Eigenständig bleiben mit einem Treppenlift - Lifta Lift und Antrieb GmbH
Eigenständig bleiben mit einem Treppenlift - Lifta Lift und Antrieb GmbH
Ein Treppenlift hilft dabei, zu Hause die Eigenständigkeit trotz Gehbehinderung zu erhalten. Alles über Anbieter, Modelle, Finanzierung, Alternativen.

Die wenigsten Wohnungen in Deutschland sind barrierefrei gebaut: Stufen, Treppenabsätze und Treppen, die Stockwerke miteinander verbinden, sind deshalb nicht selten für viele der Grund, das geliebte Zuhause zu verlassen, um in seniorengerechte Wohnungen zu ziehen. Allerdings kann man statt in einen Umzug auch in den Einbau eines Treppenlifts investieren. Zuvor sollte man sich aber einen Überblick über Anbieter, Modelle, Finanzierung und Finanzhilfen verschaffen.

Treppenlifte in zwei Versionen: Sitzlifte und Plattformlifte

Es gibt zwei Arten von Treppenliften:

  • Sitzlifte haben einen ausklappbaren Sitz und werden entlang einer Führungsschiene bewegt. Sie werden entweder angetrieben durch ein klassisches Zahnradsystem oder durch Traktionstechnik. Dabei treibt der Liftmotor Rollen an, die die die Führungsschiene fest umschließen und so den Lift in Bewegung bringen oder bremsen. Vor allem Senioren entscheiden sich für diese Treppenliftversion.
  • Plattformlifte eignen sich für den Transport eines Rollstuhls. Es gibt jedoch noch eine weniger verbreitete Plattform-Variante, deren Fläche so knapp bemessen ist, dass eine Person gerademal daraufstehen kann. Sie eignen sich dann, wenn es baulich bedingt besonders eng zugeht. Sicherer aber sind auf jeden Fall Modelle mit Sitzgelegenheit.

Kosten für Treppenlifte

Treppenlifte eignen sich für nahezu jede Treppenart, für den Innen- ebenso wie für den Außenbereich – es ist alles nur eine Frage des Geldes. Weil der Einbau eines Treppenlifts je nach Bauart, architektonischer Voraussetzung und Funktion zwischen 3.000 und 25.000 Euro kosten kann, sollte man sich gut über die Finanzierungsmöglichkeiten informieren. Auch die jährlichen Kosten für Wartung und Service zwischen 200 und 300 Euro darf man bei der Kalkulation nicht vergessen.

Die Verbraucherzentrale Nordrhein Westfalen empfiehlt deshalb, sich bei der nächstgelegenen Wohnberatungsstelle ausführlich beraten zu lassen und anschließend bei einem Anbieter möglichst in Wohnortnähe verschiedene Modelle zu begutachten, ihre Handhabung und Betriebsgeräusche zu testen.

Besonders wichtig ist eine Beratung vor Ort: Nur exakte Vermessung und Planung sorgt später für einen reibungslosen Betrieb. Außerdem sollte gewährleistet sein, dass genügend Fläche für einen sicheren Ein- und Ausstieg zur Verfügung steht und alle notwendigen Baugenehmigungen und Prüfbescheinigungen vorliegen.

Die Hersteller und Händler bieten übrigens verschiedene Finanzierungsangebote: Neukauf, Leasing (Eigentümer bleibt der Händler), Mietkauf (Eigentümer ist der Mieter). Es ist zwar etwas mühevoll, aber es lohnt sich, die Angebotsmodelle mehrerer Treppenlift-Anbieter genau zu vergleichen.

Gebrauchte Treppenlifte

Ebenso wie im Kfz-Bereich hat sich mittlerweile auch für Treppenlifte ein Gebrauchtmarkt entwickelt. Die meisten Anbieter von neuen Modellen stellen auch gebrauchte Versionen bereit. Es gibt aber auch Händler, die sich ausschließlich auf das Geschäft mit gebrauchten Liften spezialisiert haben. Wer Gebrauchte aus privater Hand kaufen oder verkaufen möchte, der wird fündig in der Hilfsmittelbörse des „Fördervereins Unfallopfer - Hilfswerk e.V.“

Auf eine Einschränkung muss man sich als Interessent allerdings einstellen: Gebrauchte Treppenlifte gibt es überwiegend für gerade verlaufende Treppen. Schienen für eine individuelle Anpassung lassen sich aber für viele Fabrikate - allerdings neu - nachkaufen. Wer einen Treppenlift gebraucht kauft, sollte im Vertrag auf Gewährleistung/Garantie achten.

Mögliche Kostenerstattungen für den Treppenlift

Für die Anschaffung eines Treppenlifts können die Kosten teilweise von der Krankenkasse erstattet werden, wenn für den Antragsteller eine Pflegestufe vorliegt. Der maximale Zuschuss von der Krankenkasse liegt bei rund 2.500 Euro.

War ein Berufs- oder Verkehrsunfall Grund für die Behinderung, dann tragen möglicherweise Berufsgenossenschaft oder Haftpflichtversicherung die gesamten Kosten für den Einbau eines Treppenlifts.

Weitere Fördermöglichkeiten sind im Rahmen des Gesetzes zur sozialen Wohnraumförderung möglich. Diese Mittel werden im Fall von Neubau- und Umbaumaßnahmen für behindertengerechten Wohnraum gewährt, meist handelt es sich um zinsverbilligte Darlehen. Jedes Bundesland regelt die Förderung allerdings anders, und angesichts akut leerer Haushaltskassen fallen derzeit immer mehr Fördermaßnahmen dem Rotstift zum Opfer.

Alternative zum Treppenlift: Mobile Treppensteighilfen

Eine etwas preiswertere Alternative zum Treppenlift sind mobile Treppensteighilfen für Rollstuhlfahrer oder gehbehinderte Menschen. Modelle, die im Hilfsmittelverzeichnis aufgeführt werden, können - ebenso wie Rollatoren, Rollstühle und Pflegebetten - ärztlich verordnet werden (Hilfsmittel). Es gibt die Steighilfen mit Sitz und auch ohne - dann eignen sie sich sogar für den Transport von Rollstühlen.

Sie sind ausgerüstet mit einem Elektromotor und einer ausgeklügelten Transportmechanik, mit der sie mitsamt ihrer Last im Huckepack gemächlich Stufe für Stufe erklimmen. Wer sich für die Treppensteiger entscheidet, sollte aber bedenken, dass er damit stets auf die Unterstützung eines Helfers angewiesen bleibt: Derjenige muss den Kraxler nämlich führen – dies aber ohne nennenswerten Kraftaufwand.

Urheberrecht: Marion Seigel. Verwendung des Textes nur mit schriftlicher Genehmigung des Autors.

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